Pentax 4/55 (67) "gegen" Pentax 4/55mm (6x7)
Neben den bekannten Unterschieden zwischen den Versionen 6x7 4/55mm und 67 4/55mm,
gibt es bei der optisch etwas besseren 67er-Serie konstruktionsbedingte
mechanische Schwächen, die man vor dem Kauf kennen sollte.
Dafür habe ich folgenden Info-Text für Interessenten des 67er 4/55mm geschrieben.
Weil es schwer ist, kompliziertes Objektiv-Innenleben mit Worten
anschaulich zu beschreiben, habe ich, neben der neueren Beschreibung,
auch die ältere beibehalten, die die gleichen Sachverhalte mit etwas anderen Worten erklärt.

Viktor Hälke

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Das Pentax 4/55mm 67er-Serie und seine mechanischen Schwächen
1. Die Rechnung des schon sehr guten "6x7" 55ers wurde kpl.
    verändert und nochmals verbessert.

2. Eine mechanische Verbesserung sorgt bei Erstkäufern oft für
    Irritation (Beiträge in Fotoforen):
    Bei allen Pentax-Objektiven sitzt der Blendenstift auf einem
    flachen Metallring, der bei Bewegung des Hebels auf 3 Auflage-
    punkten auf dem Gehäuse gleitet(scheift).
    Kleiner Nachteil: auf Dauer entsteht minimaler Metallabrieb.
    Beim "67" 55er gleitet der Ring auf winzigen Kugeln, der Vorteil
    ist klar.
    Aus technischen Gründen ist die umlaufende Rille nicht vollständig
    mit Kugeln ausgefüllt. Beim Schütteln des Objektivs entsteht ein
    "Rascheln", was besonders die Besitzer von fabrikneuen Exemplaren
     beunruhigt.

3.  Neben Verbesserungen gibt es in der Mechanik aber auch eine
     Verschlechterung.
     Zur Entfernungseinstellung steht beim 55er nicht mehr das übliche
     Schneckengewinde vorn zur Verfügung.
     Für den kurzen Verstellweg hat man (wie bei Zooms) im Außentubus 2
     gegenüberliegende 5mm breite Schlitze, in die von unten 2 auf dem
     inneren Tubus befestigte Nylongleiter greifen.
     Der Kurvenverlauf der Schlitze bestimmt die Vorwärts- und Rückwärts-
     Bewegung des Innentubus' mit der vorderen Linsengruppe.

     Nachteil:
     a) Das Verstell-Gefühl ist von Anfang an nicht so satt und gleich-
     mäßig, wie bei einem geschmierten Gewinde.
     b) Der schwere Innentubus (mit Linsen) wird nur von diesen zwei
         Nylonröllchen in den beiden Schlitzen geführt/gehalten.
         Ein Schütteln des Objektiv in Längsrichtung führt zu spür-barem
         Vor- und Zurückrucken des Innentubus'.

Jedes meiner "67" 55er erhält von mir vor dem Verkauf folgendes Tuning:
Die Nylonröllchen werden (falls nötig) wieder stramm eingestellt.

Daß das eloxierte innere Rohr ohne jeden weiteren Halt auf der Eloxierung des
äußeren Rohrs gleitet, ist eine unverzeihliche Sparmaßnahme von Pentax.

Ich bringe hier nachträglich eine dünne Schicht von zähem Spezial-
Dämpfungsfett auf, wie es in der Fotoindustrie auch für durchrutschende
Zooms verwendet wird.

Diese mechanische Schwäche zeigt sich natürlich auch bei fast
fabrikneuen Sammlerteilen, und so erhalten auch die bei mir die
gleiche Behandlung.
Auch ohne mein "beruhigendes" Tuning ist ein schlackerndes "67" 55er
in seiner optischen Qualität nicht eingeschränkt.
Die modernen Sparmaßnahmen im Mechanikbereich sind gerade bei
diesem Spitzenobjektiv aber zu bedauern.
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Die 55er der 67-Serie bedürfen alle eines "Tunings",
selbst wenn sie fabrikneu sind.

Zumindest Feunde spielfreier Mechanik werden Anstoß
daran nehmen, daß sich der innere Tubus durch Schütteln
in Längsrichtung im äußeren Tubus mit einem kleinen Ruck
und entsprechendem Geräusch bewegen läßt.

Solche Dinge entstehen, wenn bei moderner Objektivkonstruktion
das große Schneckengewinde weggelassen wird.

Stattdessen nimmt man Anleihen aus der Zoomkonstruktion:
Für die Verschiebung der Tubusrohre gegeneinander hat
das äußere Rohr zwei gegenüberliegende 5mm-breite Durchbrüche
in schwach ansteigender Kurvenform. Auf das innere Rohr sind
gegenüberliegend zwei Nylonröllchen flach auf geschraubt, die
mit ihrem Rand (Laufflächen) genau in die Kurvenschlitze des
äußeren Rohres passen und darin vor- und zurückgleiten können.

Insgesamt sind im Objektiv eigentlich 3 Rohre, so daß die geschilderte
Geschichte sogar zweimal vorkommt.
Da die Schlitze kurvig leicht in Längsrichtung verlaufen, leuchtet ein,
daß der Innentubus mit den schweren Linsen nie in einer eingestellten
Entfernung wirklich feststeht, wie bei einer Konstruktion mit Schnecken-
Gewinde, die man ruhig in Längsrichtung schütteln kann.
Zwar rutscht hier nichts durch, wie bei einem Schiebezoom, aber
irgendwie ist immer eine "Beweglichkeit" vorhanden.

Auch der "Wackeltest" (Innentubus gegen Außentubus bewegen),
den der Mechanikfan früher bei jedem Objektiv machte, um festzustellen
ob die Schmierung im Schneckengang noch stramm genug war,
fällt hier immer negativ aus.
Besonders in der einen Richtung:
Die Nylonröllchen laufen ja in offenen Schlitzen und können sich
tiefer in die Schlitze hinein- oder weiter herausbewegen.
Und das tun sie auch fühlbar, wenn man Innen- und Außentubus
in der "richtigen" Richtung gegeneinander bewegt.

Weiteres (wenn auch minimales) Spiel entsteht durch die minimale
Abnutzung der Röllchen an ihrer Auflagstelle (sie drehen sich ja nicht
mit, sondern sind fest angeschraubt).

Das anfangs erwähnte Rucken beim Schütteln in Längsrichtung
entsteht auch deshalb, weil der innere Tubus etwas zuviel "Luft"
im äußeren Tubus hat. deshalb trage ich als Tuning auf den inneren
Tubus einen hauchdünnen Ring aus zähem Spezial-Dämpfungsfett
auf, was verhindert, daß er unkontrolliert im Außenrohr schlackert.

Zusätzlich verdrehe ich bei gebrauchten Objektiven die Nylonrollen,
so daß sie mit unabgenutzer Stelle des Randes aufliegen.

Die, die das 55er nicht von innen kennen, fragen oft ängstlich
in Foren, warum ihr Objektiv feine Raschel-Geräusche von sich
gibt. Wenigstens dafür gibt es eine positive Erklärung:
Der Blendenhebel und seine Ringe sind auf vielen winzigen
Kugeln gelagert, statt wie früher aufeinander zu gleiten/schleifen.

Die Entfernungseinstellung fühlt sich wegen der beiden
in den Kurvenschlitzen gleitenden Rollen nicht über den
ganzen Weg gleichmäßig an, weil die Kurve einen
flachen und einen steilen Teil im Anstieg hat.
Auch das "sahnige" Gefühl eines geschmierten
Schneckenganges mit 8 parallelen Gewindegängen
fehlt hier, die Verstellung ist leichter und widerstandsloser,
als gewöhnt.

Auch wenn die 6x7-Version schon anerkannt sehr gut war,
hat Pentax trozdem nochmal eine neue Rechnung gemacht,
wodurch das neue Objektiv optisch sicherlich noch besser
geworden ist. Mechanisch allerdings ist das alte klar überlegen
(zumindest ohne mein Tuning).