Viktor Hälke
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Pentax 4/55mm
67er-Serie und seine mechanischen Schwächen
1. Die Rechnung des schon
sehr guten "6x7" 55ers wurde kpl.
verändert
und nochmals verbessert.
2. Eine mechanische Verbesserung
sorgt bei Erstkäufern oft für
Irritation
(Beiträge in Fotoforen):
Bei allen
Pentax-Objektiven sitzt der Blendenstift auf einem
flachen
Metallring, der bei Bewegung des Hebels auf 3 Auflage-
punkten
auf dem Gehäuse gleitet(scheift).
Kleiner
Nachteil: auf Dauer entsteht minimaler Metallabrieb.
Beim
"67" 55er gleitet der Ring auf winzigen Kugeln, der Vorteil
ist klar.
Aus technischen
Gründen ist die umlaufende Rille nicht vollständig
mit Kugeln
ausgefüllt. Beim Schütteln des Objektivs entsteht ein
"Rascheln",
was besonders die Besitzer von fabrikneuen Exemplaren
beunruhigt.
3. Neben Verbesserungen
gibt es in der Mechanik aber auch eine
Verschlechterung.
Zur Entfernungseinstellung steht beim 55er nicht mehr das übliche
Schneckengewinde vorn zur Verfügung.
Für den kurzen Verstellweg hat man (wie bei Zooms) im Außentubus
2
gegenüberliegende 5mm breite Schlitze, in die von unten 2 auf dem
inneren Tubus befestigte Nylongleiter greifen.
Der Kurvenverlauf der Schlitze bestimmt die Vorwärts- und Rückwärts-
Bewegung des Innentubus' mit der vorderen Linsengruppe.
Nachteil:
a) Das Verstell-Gefühl ist von Anfang an nicht so satt und gleich-
mäßig, wie bei einem geschmierten Gewinde.
b) Der schwere Innentubus (mit Linsen) wird nur von diesen zwei
Nylonröllchen in den beiden Schlitzen geführt/gehalten.
Ein Schütteln des Objektiv in Längsrichtung führt zu spür-barem
Vor- und Zurückrucken des Innentubus'.
Jedes meiner "67" 55er erhält
von mir vor dem Verkauf folgendes Tuning:
Die Nylonröllchen werden
(falls nötig) wieder stramm eingestellt.
Daß das eloxierte innere
Rohr ohne jeden weiteren Halt auf der Eloxierung des
äußeren Rohrs
gleitet, ist eine unverzeihliche Sparmaßnahme von Pentax.
Ich bringe hier nachträglich
eine dünne Schicht von zähem Spezial-
Dämpfungsfett auf,
wie es in der Fotoindustrie auch für durchrutschende
Zooms verwendet wird.
Diese mechanische Schwäche
zeigt sich natürlich auch bei fast
fabrikneuen Sammlerteilen,
und so erhalten auch die bei mir die
gleiche Behandlung.
Auch ohne mein "beruhigendes"
Tuning ist ein schlackerndes "67" 55er
in seiner optischen Qualität
nicht eingeschränkt.
Die modernen Sparmaßnahmen
im Mechanikbereich sind gerade bei
diesem Spitzenobjektiv aber
zu bedauern.
-------------------------------------------------------------------------------------------------
-------------------------------------------------------------------------------------------------
Die 55er der 67-Serie
bedürfen alle eines "Tunings",
selbst wenn sie fabrikneu
sind.
Zumindest Feunde spielfreier
Mechanik werden Anstoß
daran nehmen, daß
sich der innere Tubus durch Schütteln
in Längsrichtung im
äußeren Tubus mit einem kleinen Ruck
und entsprechendem Geräusch
bewegen läßt.
Solche Dinge entstehen, wenn
bei moderner Objektivkonstruktion
das große Schneckengewinde
weggelassen wird.
Stattdessen nimmt man Anleihen
aus der Zoomkonstruktion:
Für die Verschiebung
der Tubusrohre gegeneinander hat
das äußere Rohr
zwei gegenüberliegende 5mm-breite Durchbrüche
in schwach ansteigender
Kurvenform. Auf das innere Rohr sind
gegenüberliegend zwei
Nylonröllchen flach auf geschraubt, die
mit ihrem Rand (Laufflächen)
genau in die Kurvenschlitze des
äußeren Rohres
passen und darin vor- und zurückgleiten können.
Insgesamt sind im Objektiv
eigentlich 3 Rohre, so daß die geschilderte
Geschichte sogar zweimal
vorkommt.
Da die Schlitze kurvig leicht
in Längsrichtung verlaufen, leuchtet ein,
daß der Innentubus
mit den schweren Linsen nie in einer eingestellten
Entfernung wirklich feststeht,
wie bei einer Konstruktion mit Schnecken-
Gewinde, die man ruhig in
Längsrichtung schütteln kann.
Zwar rutscht hier nichts
durch, wie bei einem Schiebezoom, aber
irgendwie ist immer eine
"Beweglichkeit" vorhanden.
Auch der "Wackeltest" (Innentubus
gegen Außentubus bewegen),
den der Mechanikfan früher
bei jedem Objektiv machte, um festzustellen
ob die Schmierung im Schneckengang
noch stramm genug war,
fällt hier immer negativ
aus.
Besonders in der einen Richtung:
Die Nylonröllchen laufen
ja in offenen Schlitzen und können sich
tiefer in die Schlitze hinein-
oder weiter herausbewegen.
Und das tun sie auch fühlbar,
wenn man Innen- und Außentubus
in der "richtigen" Richtung
gegeneinander bewegt.
Weiteres (wenn auch minimales)
Spiel entsteht durch die minimale
Abnutzung der Röllchen
an ihrer Auflagstelle (sie drehen sich ja nicht
mit, sondern sind fest angeschraubt).
Das anfangs erwähnte
Rucken beim Schütteln in Längsrichtung
entsteht auch deshalb, weil
der innere Tubus etwas zuviel "Luft"
im äußeren Tubus
hat. deshalb trage ich als Tuning auf den inneren
Tubus einen hauchdünnen
Ring aus zähem Spezial-Dämpfungsfett
auf, was verhindert, daß
er unkontrolliert im Außenrohr schlackert.
Zusätzlich verdrehe
ich bei gebrauchten Objektiven die Nylonrollen,
so daß sie mit unabgenutzer
Stelle des Randes aufliegen.
Die, die das 55er nicht von
innen kennen, fragen oft ängstlich
in Foren, warum ihr Objektiv
feine Raschel-Geräusche von sich
gibt. Wenigstens dafür
gibt es eine positive Erklärung:
Der Blendenhebel und seine
Ringe sind auf vielen winzigen
Kugeln gelagert, statt wie
früher aufeinander zu gleiten/schleifen.
Die Entfernungseinstellung
fühlt sich wegen der beiden
in den Kurvenschlitzen gleitenden
Rollen nicht über den
ganzen Weg gleichmäßig
an, weil die Kurve einen
flachen und einen steilen
Teil im Anstieg hat.
Auch das "sahnige" Gefühl
eines geschmierten
Schneckenganges mit 8 parallelen
Gewindegängen
fehlt hier, die Verstellung
ist leichter und widerstandsloser,
als gewöhnt.
Auch wenn die 6x7-Version
schon anerkannt sehr gut war,
hat Pentax trozdem nochmal
eine neue Rechnung gemacht,
wodurch das neue Objektiv
optisch sicherlich noch besser
geworden ist. Mechanisch
allerdings ist das alte klar überlegen
(zumindest ohne mein Tuning).